Ein Zürcher Elternpaar glaubt, alles richtig gemacht zu haben. Doch die halbwüchsigen Kinder blockieren das Familiensystem. Bis die Eltern ausziehen. Eine autofiktionale Groteske aus dem Hause Schweikert-Bergkraut.

Handlung

Zug um Zug lassen Veronika und Michael Kamber-Gruber ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo und Anton sind kaum aus dem Bett zu kriegen, gehen nur selten zur Schule; sexistische und rassistische Sprüche sind an der Tagesordnung. Als der Grossvater die Enkel mit 80 000 Franken Erbvorschuss zu noch mehr Autonomie verleitet, eskaliert die Situation gänzlich. Die entnervten Eltern fliehen mit dem jüngsten der drei Söhne aus der Wohnung und ziehen in das Studio, das sie eigentlich für Romeo angemietet haben. Das Paar glaubt, die Ehe zu retten und merkt nicht, dass es die eigene Kapitulation feiert.

Vorstellungen

Basel
Im kult.kino
Vorpremiere am 06.10.2019, 11 Uhr.
Im Anschluss Gespräch mit Regisseur*innen Ruth Schweikert & Eric Bergkraut und Henri Guttmann (Paar- und Familientherapeut, Filmfigur).
Moderation: Deborah Epstein
03.-09.10. im Lunchkino

Bern

Im cineMovie
Vorpremiere am 04.10., 20.30 Uhr. Im Anschluss Gespräch mit Cast & Crew.
Moderation: Sandra Rutschi, Berner Zeitung
Regulärer Start: 10.10.

Biel

Im Kino Rex
Vorpremiere am 05.10., 18.30 Uhr. Im Anschluss Gespräch mit Cast & Crew.
Moderation: Sandra Rutschi, Berner Zeitung
Regulärer Start: 10.10.

Luzern

Im Bourbaki
Vorpremiere am 09.10., 20.40 Uhr. Im Anschluss Gespräch mit Cast & Crew.
Moderation: Gina Dellagiacoma, Radio 3FACH
Regulärer Start: 10.10.

St. Gallen

Im Kinok
Premiere am 11.10., 18.30 Uhr. Im Anschluss Gespräch mit Ruth Schweikert und Eric Bergkraut.
Regulärer Start: 11.10.

Zürich

Im RiffRaff
Premiere am 07.10., 20.40 Uhr Im Anschluss Gespräch mit Cast & Crew, u.a. Beat Schlatter & Elisabeth Niederer.
Moderation: Nina Mavis Brunner SRF/3Sat
Regulärer Start: 07.10.

Im Arthouse Le Paris
Premiere am 08.10., 12.15 Uhr LunchKino Special in Anwesenheit von Cast & Crew, u.a. Remo Largo.
Moderation: Karen Rot-Krauthammer, Präsidentin Omanut
07.-09.10. im Lunchkino

Ein Film von
Eric Bergkraut and
Ruth Schweikert

Mit
Familie Bergkraut,
Elisabeth Niederer,
Beat Schlatter,
Peter Schweiger,
Hagar Admoni
among others

Und
Remo Largo,
Michèle Binswanger and
Henri Guttmann
as experts

Behind the Scenes

Die Auto- und Dokufiktion «Wir Eltern» wurde von der Schriftstellerin Ruth Schweikert und ihrem Ehemann, dem Filmemacher Eric Bergkraut, initiiert. Die gesamte Familie stand auf dem Set: Vater Eric sowie die drei Söhne vor, die Mutter Ruth Schweikert als Co-Regisseurin und Co-Drehbuchautorin hinter der Kamera. Ergänzt wurde die Filmfamilie von Elisabeth Niederer in der Rolle der Mutter Veronika. Auf der dokumentarischen Ebene befeuern die ExpertInnen Remo Largo, Michèle Binswanger und Henri Guttmann die Kontroversen rund um Erziehungsfragen und stellen die Dokufiktion in einen grösseren gesellschaftlichen Kontext.

Entstehung

«Wir Eltern» war einer der drei Gewinner des 2018 neu ausgelobten Wettbewerbs «Fast Track» der Zürcher Filmstiftung. «Quick and dirty» sollten die so geförderten Filme sein und werden. Eine Vorgabe, der sich Ruth Schweikert und Eric Bergkraut, durchs Band verschrieben haben. «Die etwas andere Homestory» (NZZ) entstand in nur 15 Drehtagen, mit einem minimalen Budget bei maximal professioneller Arbeit und in nur drei Monaten Postproduktion. Von der Idee bis zur hiesigen Vorpremiere als Eröffnungsfilm der Sektion «Fuori Concorso» verging weniger als ein Jahr.

Writer’s / Director’s Statement

Eric Bergkraut, Filmemacher, 1957 in St. Maur (F) geboren, lebt in Zürich und Paris. Er arbeitete zunächst als Schauspieler für Theater und Film, bevor er als Regisseur und Produzent Dokumentarfilme zu drehen begann. Für „Letter to Anna“ gewann er den Vaclav Havel Award. „Wir Eltern/Parents“ ist der erste Spielfilm, bei dem er Regie führte. 2019 erscheint sein Debütroman „Paradies möcht ich nicht“, eine autobiografische Familiengeschichte. Er ist Vater von drei Söhnen.

Ich besitze ein einziges Berufsdiplom, jenes als Schauspieler. Doch ich stand seit 29 Jahren nicht mehr vor der Kamera. Mich faszinierte die Einmaligkeit des dokumentarischen Filmens, ich liebte die Improvisation, den Wechsel von Struktur und Zufall.

Nun, als Regisseur meines ersten Spielfilmes, wollte ich sicherstellen, dass die Figuren gelebt wirken, nicht gespielt. Das war ich mir als Dokumentarfilmer schuldig. In «Wir Eltern» sollte bei den Zuschauern niemals das Gefühl aufkommen, einem verfilmten Drehbuch zu folgen. Es sollte erscheinen, als sei eine Kamera über ein paar Wochen einer tatsächlichen Familie gefolgt. Was sich einfach anhört, war in der Umsetzung komplex: Am Ende der Arbeit würde trotz allem immer eine Fiktion, ein Spielfilm stehen. read more

Auf dem Set kriegte das Spiel der Darsteller das bedingungslose Primat, dem alles andere zu dienen hatte. Mit Kameramann Stéphane Kuthy hatten Ruth Schweikert und ich die Auflösungen der Szenen konsequent besprochen. Es waren meistens sich überlagernde Plansequenzen, die wir beim Schnitt zusammen mit Bigna Tomschin oft wieder aufgebrochen haben. Nie arbeiteten wir in der Logik von Schuss und Gegenschuss.

Ruth Schweikert und ich hatten von Anfang an das Vertrauen, dass unsere Söhne ihre Rollen würden ausfüllen können; sie spielen ja nicht sich selber. Wir haben sie langsam und über Proben an die Aufgabe geführt, manchmal brachten sie ihre eigenen Ideen ein.

Als Schauspieler wollte ich ganz der Geschichte dienen. Nicht gut sein; so spielen, wie es richtig war. Es machte mir Spass, meiner Figur unangenehme Züge zu verleihen und jene Distanz zu nehmen, die es ermöglicht, über sie auch zu lachen. Es war aufregend, in einer fremden Haut zu stecken und als eine erfundene Figur zu agieren. Es führte mich zurück zum Urerlebnis des Spielens.

Als Vater vergass ich in vielen Situationen des Drehs, dass es meine Söhne waren, die mir gegenüberstanden. Das war erfrischend. Höchstens, dass aus einer Gehirnwindung ein kurzes Signal kam: Da hat mein Sohn XY ganz ordentlich gespielt! Oder eben nicht gespielt, denn alle drei gingen mit der Kamera in frappierender Weise um. So führte der Film nebenbei zur Ausweitung unserer Beziehungen, wir konnten einander anders begegnen.

Ruth Schweikert, Schriftstellerin geboren 1964 in Lörrrach (D), lebt in Zürich als Schriftstellerin und Dozentin. Sie schreibt Romane, Essays und Theaterstücke, hat fünf Söhne und arbeitet mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Schreibprojekten. Für Ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise. „Wir Eltern/Parents“ ist ihr Debüt als Drehbuchautorin.

Die grosse Angst – so sollte unser Film zunächst heissen; d.h., zu diesem Zeitpunkt war es in meinem Kopf kein Film, sondern ein Theaterstück: über die Angst mancher Eltern, ihre erwachsenen Kinder in die Welt zu entlassen, und über die Angst vieler junger Menschen, nicht wirklich fit zu sein für diese Welt, nicht stark und clever genug, um in der globalen Leistungsgesellschaft zu bestehen. Und wie sich als junger Mensch zur Tatsache verhalten, dass die eigene Existenz zum Klimawandel beiträgt, dass man selbst nicht „Teil der Lösung“ ist, sondern „Teil des Problems“, wie einer unserer Söhne es einmal formulierte? read more

Ich weiss nicht mehr, wer wann die Idee hatte, wir könnten als Familie gemeinsam einen Film drehen, mit erfundenen Figuren und einer zugespitzten Handlung allerdings, mit etwas Übermut, Abenteuerlust und einer gehörigen Portion Selbstironie.

Von Anfang an war mir klar, dass ich das Drehbuch mitentwickeln und auf dem Set permanent präsent sein würde, aber nicht selber mitspielen würde. Der Film sollte persönlich, aber nicht privat werden, was er verhandelt, so die Hoffnung, weist über uns und unsere spezifischen familiären Herausforderungen hinaus und erzählt somit etwas über die Gesellschaft, in der wir leben.

Klar war bald auch die Perspektive, die der Film einnimmt: jene der Eltern. Was die Jugendlichen tun, denken, fühlen, wenn sie alleine oder mit ihren Freund*innen zusammen sind: Wir Eltern wissen es nicht. Und so gibt auch der Film nicht vor, darüber Bescheid zu wissen, sondern setzt da an, wo wir, zwei ziemlich gewöhnliche Schweizer Eltern, so Einiges von Kämpfen, Krämpfen und kleinen Freuden zu erzählen haben.

Credits

World Rights: p.s. 72 productions, www.ps-72.com
Contact: info@ps-72.com

Drehbuch & Regie
Eric Bergkraut,
Ruth Schweikert
Kamera
Stéphane Kuthy
Schnitt
Bigna Tomschin
Ausstattung/Kostüme
Jimena Cugat
Tonmischung/Sounddesign
Daniel Hobi
Direktton
Ivo Schläpfer
Perchman
Nicolas Nagy
Regieassistenz
Io Baur
Kameraassistenz
Natalie Wallrapp
Farbkorrektur
Jürgen Kupka
Grafik
Anja Bodmer
Kamera Making-of
Olivier Taieb
Animation Motte
Brigae Haelg
Best Woman
Daria Wild
Produzent
Eric Bergkraut
Produktionsleitung
Io Baur
Produktionelle Beratung
Julia Tal
Produktionelle Mitarbeit
Donat Blum
Cast 
 
Veronika Kamber-Gruber 
Elisabeth Niederer
Michael Kamber-Gruber  
Eric Bergkraut
Anton 
Eric Bergkraut
Romeo 
Ruben Bergkraut
Benji 
Orell Bergkraut
Nesrin 
Zohra Shetab
Immobilienbewirtschafter 
Beat Schlatter
Vater von Veronika 
Peter Schweiger
Yael 
Hagar Admoni
Lehrerin 
Ursina Greuel
Hausbesitzerin 
Tatjana Werik
Journalistin 
Selina Weber
Putzfrau 
Irene Eichenberger
Beamter 
Noah Voiret
 
Weitere DarstellerInnen 
Benjamin Frey
 
Patrick Kokontis
 
Ray Marchisella
 
Vasco Niederer
 
Monika Zollinger Niederer

Musik

Komposition, Piano, Arrangement
Marie-Jeanne Séréro

Saxophon
Hamza Touré

Geige
Floriane Bonanni

Klarinette
Alexandre Chabot

Text
Ruth Schweikert

Gesang
Maxime Keller

Toningenieure
Paul Alkhallaf,
Daniel Deshays,
Baptiste Lagrave

Schlagzeug
Dominic Oppliger,
Kaspar Rast

Gitarre
Manfred Hirt

Ergänzende Musik
Daniel Hobi